Richard Pollak (Karlin)

*05.07.1867 Karlin bei Prag (damals Österreich-Ungarn)
†1943 Birkenau (besetztes Polen) (Todestag und -monat unbekannt)

Er studierte unter Professor Max Pirner und Professor Václav Brožík
an der Akademie der Bildenden Künste (Akademie výtvarných umění) in Prag wo er 1895 sein Studium absolvierte.

Er malte Porträte und Figuren.

Das Jüdische Museum in Prag besitzt das Gemälde "Mädchen im Wald" von Richard Pollak.


Richard und Hilde Pollak in Dornach

Richard Pollak wuchs mit seinem Bruder in einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Nach Abschluss der Real- und der Handelsschule arbeitete er vier Jahre im Großhandel, bevor er die Kunstakademie und die Kunstgewerbeschule in Prag besuchte. Anschließend studierte er mehrere Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München. Übersinnliches berührte ihn von jungen Jahren an stark. Als er in München den christlich-mystischen Schulungsweg betrat, zeigten sich an ihm die Wundmale Christi. In schweren Seelenkämpfen kam er zu dem Ergebnis, dass dieser Weg mit den Erfordernissen unserer Zeit nicht in Einklang zu bringen ist.

Nach Prag zurückgekehrt, vertiefte er sich in die Lektüre der christlichen Mystiker und der altindischen Philosophie. Zum Lehrer eines spirituellen Kreises nahm er dort Kontakt auf und wurde sein Schüler. Er war nun ein weithin anerkannter Porträtmaler, der als einfühlsamer Interpret der Seele galt. Er gewann Preise in Paris und München und porträtierte 1908 den Dichter Björnson in Rom.

Mit 35 Jahren ließ er sich in Wien nieder. Dort wurde Friedrich Eckstein sein Freund. Sie hatten beide denselben Lehrer auf dem Schulungsweg. Für Rudolf Steiners eigenen Seelenweg war der Theosoph und Kenner des Okkultismus Eckstein sehr wichtig, wie ein Brief von ihm an jenen von 1890 erkennen lässt. Von Eckstein erhielt Pollak um 1905 „Lucifer-Gnosis“. In Wien lernte er seine Frau, Hilde Kotanyi, kennen, die Malerin war und einer kinderreichen jüdischen Familie aus Budapest entstammte. Er und seine Frau traten 1906 in die Theosophische Gesellschaft ein. Im Februar 1907 hörte er zum ersten Mal einen Vortrag Rudolf Steiners. Im November desselben Jahres hatte er eine Unterredung mit ihm, vermittelt durch Eckstein. Im April 1914 besuchte Rudolf Steiner sein Atelier und regte eine Übersiedlung nach Dornach an. Seit dem Sommer 1914 arbeiteten er und seine Frau fünf Jahre künstlerisch am ersten Goetheanum. Er schnitzte an Kapitellen und Architraven, insbesondere malte er in der großen Kuppel das Motiv der griechischen Epoche in zarten, lichten Farben und gemeinsam mit seiner Frau das atlantische und das lemurische Motiv nach Vorstudien von ihm, wobei er auf Wunsch Rudolf Steiners die Gesichter der überirdischen Wesen im lemurischen Motiv gestaltete. Er war still, in sich gekehrt und hatte edle Züge. Sie war temperamentvoll, herzlich und eine kräftige Erscheinung. Sie hatte 1915 die Initiative ergriffen, für die erste eurythmisch-dramatische Aufführung von Fausts Himmelfahrt ein Programm zu malen. Die gemalten Programme wurden danach ein fester Bestandteil der künstlerischen Veranstaltungen. Als einzige Frau meldete sie sich für den ehrenamtlichen Nachtwächterdienst auf dem Goetheanumgelände. Mit Hermann Linde kam es zu einem Zusammenstoß, als Pollak begann, den Inder von Lotus Péralté in der großen Kuppel abzuwaschen. Nach seiner Rückkehr nach Prag lebte er mit seiner Frau in ärmlichen Verhältnissen. Er hielt im deutschen und im tschechischen Zweig Vorträge, malte Porträts und lichtvolle Meditationsbilder. Seine Frau hielt auch Vorträge und trug durch Seidenstickereien, deren Motive übersinnlichen Welten entnommen waren – darunter ihr Mann als mittelalterlicher Franziskaner –, zum Lebensunterhalt bei, während sie in zwei Mansardenräumen im Hause seines wohlhabenden Bruders wohnen durften.

Als Gegenleistung für einen mehrmonatigen Erholungsaufenthalt in Koberwitz im Sommer 1921 malte er dort fünf Porträts, darunter Carl Graf Keyserlingk und Moritz Bartsch. Er gehörte an der Weihnachtstagung 1923 zur fünfköpfigen tschechischen Delegation und war später Lektor der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Prag. Anlässlich einer Ausstellung ihrer Arbeiten konnten die Pollaks 1927 nach Dornach reisen. Im März 1931 wurden ihre Stickereien von der Gesellschaft zur Pflege der Eurythmie und verwandter Künste in Prag ausgestellt, sie hielt einen einführenden Vortrag.

Mit 74 Jahren, während der Genesung nach einem schweren Unfall, wurde er mit seiner Frau verhaftet, erst nach Theresienstadt und dann nach Birkenau transportiert. Dort hielt er für seine Leidensgefährten mehr als 100 Vorträge über geistige Inhalte. Seine Frau weigerte sich, in Theresienstadt in einer Munitionsfabrik zu arbeiten. Sie starb vermutlich in Dachau.

Richard Pollaks künstlerischer Weg führte vom Naturalismus zum Realismus. Ab 1919 schuf er Porträts, in denen er die edelsten Züge, die im Wesen des Dargestellten veranlagt waren, hervortreten ließ. Ein Porträt Rudolf Steiners von seiner Hand befindet sich im Goetheanum, ebenso einige Stickereien seiner Frau. Seine Werke wurden 1947 und 1967/68 im Goetheanum ausgestellt.

E. Bessau

Literatur:

Daněk, Ladislav: "Expresionistické tendence ve střední Evropě 1903-1936" : Sbírka Galerie Ztichlá klika, Praha / Ladislav Daněk (ed.), Jan Placák, Marie Rakušanová. -- Olomouc : Muzeum umění Olomouc, 2008. -- 200 s. : il. ISBN 978-80-87149-02-7; Rousová, Hana: "Mezery v historii 1890-1938 : polemický duch Střední Evropy-Němci, Židé-Češi " / Hana Rousová ; O. Urban ; A. Pařík ; A. Janištinová ; N. Řeháková ; J. Sedlářová ; J. Kroutvor ; I. Tomaschke ; H. Rousová ; J. Vybíral ; Z. Lukeš. -- Praha : Galerie hlavního města Prahy, 1994. -- 141 s. : čb. a bar. reprod. -- Kol.aut. ISBN 80-7010-030-3

Fels, A.: Einem Siebzigjährigen, in: N 1937, Nr. 27; Fels A.: Stickereien von Hilde Pollak, in: N 1936, Nr 46; Bessenich, J.: Zur Kunstausstellung am Goetheanum, in: N 1968, Nr. 2; Dubach, A.: Erinnerung an Hilde und Richard Pollak, in: N 1968, Nr. 14; Kühne, W.: Prager Erinnerungen, Radolfzell o.J.; Bessau, E.: Die Maler der großen Kuppel des ersten Goetheanum. II. Hilde und Richard Pollak, Baronin Paini-Gazotti, Ottilie Schneider, in: N 1998, Nr. 13.

http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=1184



Hilde Pollak(Karlin), geb.: Kotányi

* Budapest ? - †1943 Dachau (Deutschland)
(Todestag und -monat unbekannt)

Hilde Kotányi stammte aus einer jüdischen Budapester Familie mit vielen Kindern. Sie war mit dem Kunstmaler Richard Pollak-Karlin verheiratet, mit dem sie sich in Wien während ihres Malstudiums befreundet hatte. Durch ihn lernte sie die Theosophie kennen und wurde 1906 Mitglied der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.

Sie hat erst gemalt, dann mit Kohle, mit Kreide, schließlich mit Bleistift gezeichnet, bevor sie zu sticken anfing. Ab 1914 lebte das Ehepaar in Dornach, sie arbeiteten an der Ausmalung der großen Kuppel mit.

1915 ergriff sie die Initiative, für die erste eurythmisch-dramatische Aufführung von Fausts "Himmelfahrt" ein Programmplakat zu malen. Von da an wurden die gemalten Programme ein fester Bestandteil der künstlerischen Veranstaltungen der Dornacher Bühnengruppe.

Sie fertigte die Bildplakate für die Eurythmie-Aufführungen in der Schreinerei in der Zeit vor Inbetriebnahme des ersten Goetheanum an.

Den Antrag 1918 von Hermann Linde, Rudolf Steiner möge in der großen Kuppel selbst malen, unterstützte sie nicht.

1920 zog sie mit ihrem Mann nach Prag. Sie wurde Stickkünstlerin, stickte auch Porträts und hat in der Kunst der Stickerei eine sehr originelle Art ausgebildet, die in der vorwiegend schrägen Führung der Stiche in Analogie zu der von Rudolf Steiner angegebenen Schräg-Schraffierung bestand. Sie benutzte den Stoffgrund als Ausdrucksmittel mit. Auch die Veränderung des Lichteinfalls durch Variation der Stickrichtung verwendete sie als Kunstmittel. Die Kunstwerke sind von außerordentlich hoher Ausdruckskraft.

Marie Steiner begeisterte sich für ihre Stickerei. 1927 wurden ihre Arbeiten in Dornach ausgestellt, das Ehepaar kam damals nach Dornach.

Eine Ausstellung ihrer Stickereien wurde auch im März 1931 von der Gesellschaft zur Pflege der Eurythmie und verwandter Künste in Prag und im Sommer 1931 wieder im Goetheanum veranstaltet. Sie hielt in Prag den einführenden Vortrag: "Entwicklung der Kunststickerei vom Gesichtspunkte seelischer Wandlungen." Sie sprach temperamentvoll und künstlerisch, war lebenssprühend, gesprächig, geist- und gemütvoll.

Bis 1938 kamen sie öfters nach Dornach.

Sie wurde nach Einmarsch von Hitlers Truppen in die Tschechei verhaftet und nach Theresienstadt transportiert. Sie hat im Lager durch ihr tapferes Wesen vielen Mut eingeflößt. Sie sprach auch dort noch über die Anthroposophie.

Als sie sich weigerte, für Munitionslieferungen zu arbeiten, war es mit den Vergünstigungen aus und beide betraten den Märtyrerweg. Hilde Pollak fand in den Gaskammern des Lagers Dachau den Tod.

Ihre Stickereien wurden zu Ostern 1965 im Goetheanum nochmals ausgestellt.


Werke: Beitrag in N.
Literatur: Fels, A.: Stickereien von Hilde Pollak, in: N 1936, Nr. 46; Götte, F., Grone, J. v.: Michael Triptychon, in: MaD 1950, Nr. 13; Dubach, A.: Erinnerung an Hilde und Richard Pollak, in: N 1968, Nr. 59; Bessenich, J.: Zur Kunstausstellung am Goetheanum, in: N 1968, Nr. 2; Fels, A.: Vom Werden der Eurythmie, Dornach 1986; Kühne, W.: Prager Erinnerungen, Radolfzell o. J.; GA 291a, 1990; Bessau, E.: Die Maler der großen Kuppel im ersten Goetheanum II: Hilde und Richard Pollak, Baronin Paini-Gazotti, Ottilie Schneider, in: N 1998, Nr. 13.

[N = Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht (sog. Nachrichtenblatt)]

http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=1183

 

 

 

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